Werdegang
Dieser Bereich beschreibt den Werdegang und die Erlebnisse von Egon Stoll-Berberich von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Seine Stationen vom Bewerber bei der Landespolizei Hessen bis zum Gruppenkommandeur beim SG 77.



Kindheit und Jugend
Egon Kurt Berberich kam am 17. Juni 1913 in Gera (Untermhaus) zur Welt. Sowohl die Unterlagen, als auch die mündlichen Überlieferungen aus der Kindheit, sind eher dürftig und es existieren für diesen Zeitraum nur noch Unterlagen, die zur Erstellung des damals erforderlichen Abstammungsnachweises vorgelegt wurden. Die schlechte Quellenlage zwischen 1913 bis 1922 lässt sich dadurch begründen, dass Egon Berberich innerhalb dieses Zeitraumes in seiner Geburtsstadt Gera verweilte und erst 1922, mit der zweiten Eheschließung seiner Mutter nach Bensheim kam. Der heute noch verfügbare Nachlass erfasst somit die Zeit ab 1922, die Unterlagen vor 1922 gingen durch die Teilung Deutschlands verloren.

Seine Mutter lernte ihren späteren, zweiten Ehemann vermutlich während des Ersten Weltkrieges im Raum Darmstadt kennen, denn sie war in Darmstadt-Eberstadt als Krankenschwester eingesetzt und ihr späterer Mann diente beim Train-Ersatzbataillon in Darmstadt1. Genaueres hierzu ist allerdings nicht bekannt.

In einem Lebenslauf, vermutlich für die Wiedereinstellung in den Dienst der Bundeswehr verfasst, schrieb Egon Berberich, dass er von Ostern 1919 an die Bürgerschule in Gera besuchte und nach seiner Übersiedlung nach Bensheim im Juni 1922, in die dortige Volksschule aufgenommen wurde, es existiert das für die damalige Zeit übliche Zeugnisheft, welches sämtliche Zeugnisse der Volksschulzeit beinhaltet. Auch aus seiner Zeit am Bensheimer Gymnasium, welches er seit Ostern 1924 besuchte und im Jahre 1934 mit der Allgemeinen Hochschulreife abschloss, liegt das Zeugnisheft vor. Auffallend sind neben den soliden Leistungen in den natur- und geisteswissenschaftlichen Fächern die kontinuierlich hervorragenden Leistungen im Fach "Leibesübungen". Dies spiegeln auch die noch verfügbaren Unterlagen von Reichsjugendwettkämpfen und Turnvereinen wieder. Bei den Reichjugendwettkämpfen holte er mehrfach hintereinander den ersten Platz und spielte zudem seit seinem 16. Lebensjahr in der hessischen Auswahlmannschaft für Handballer. Etliche Fotografien zeugen von seinen sportlichen Fähigkeiten als aktiver Turner, Fuß- und Handballer.

Egon Stoll-Berberich als Abiturient 1934, in Darmstadt als Landespolizist der Landespolizei Hessen, in der Uniform der hessischen Landespolizei 1934

Egon Stoll-Berberich als Abiturient 1934 in Bensheim, als Landespolizist in Darmstadt mit seiner Hundertsachft und in Uniform.
Bewerbungen
Alle wollen zum Heer... keine Chance!
Bereits im Frühjahr 1933, also ein Jahr vor der Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife, begann der Schüler sich bei verschiedenen militärischen Einheiten zu bewerben, darunter auch eine Bewerbung als Offiziersanwärter zum zwölfjährigen Dienst im Heer. Am 28. März 1933 erhielt Egon Berberich ein Schreiben des 13. (Württembergischen) Infanterie-Regiments aus Ludwigsburg, welches seine Bewerbung mit der Begründung ablehnte, dass ein Überangebot an Bewerbern herrsche und Egon Berberich, aufgrund seiner thüringischen Staatsangehörigkeit, eine Bewerbung bei einem thüringischen Truppenteil versuchen solle. Auch eine Bewerbung beim 21. (Bayerischen) Infanterie-Regiment aus Nürnberg wurde mit einem Schreiben vom 27. Juni 1933 negativ beschieden. Auch hier lautete die Begründung, dass ein Überangebot an Bewerbern herrsche, so dass die meisten Bewerbungen abgelehnt worden seien. Ein weiteres Schreiben vom 19. Januar 1934, ein Antwortschreiben auf eine weitere Bewerbung, dieses Mal vom 15. Infanterie-Regiment, verwies auf die geänderten Einstellungsbedingungen, die eine zwölfjährige Dienstzeit nicht mehr ermöglichen würden. Der dem Schreiben beigefügte Abschnitt, der eine Einverständniserklärung zum Diensteintritt umfasst, wurde nicht ausgefüllt. Hier liegt die Vermutung nahe, dass Egon Berberich nur an einer langfristigen Dienstzeit interessiert war.

Dann wenigstens Landespolizei
Am 21. März 1934 erhielt Egon Berberich ein Schreiben des Landespolizeiführers (Landespolizei Hessen), welches seine Einstellung in den Polizeidienst zum 5. April 1934 vorsah. Am 4. April 1934 folgte ein Schreiben, welches seine Einstellung zum 9. April 1934 als "Polizeianwärter in die Landespolizeischule" bestätigte. Die meisten Angaben zum Werdegang in der Landespolizei finden sich im "Vorschlag zur Beförderung zum Leutnant" vom 14. August 1940.

Bis auf die oben genannten Dokumente der Landespolizei Hessen existieren nur noch vier Bilder, die Egon Berberich als Landespolizisten zeigen. Zwei Passbilder in Uniform, ein Gruppenbild des Ausbildungslehrgangs in Darmstadt und ein Foto, welches eine in Dienstanzug angetretene Polizeieinheit in Bacharach zeigt.

Während seiner Dienstzeit bei der Landespolizei wurde er am 5. März 1935 zum Unterwachtmeister befördert. Der Polizeidienst schien dem jungen Polizisten nicht besonders gelegen zu haben, stellte er in Anbetracht der vielen Bewerbungen bei Heeresverbänden ohnehin nur eine Notlösung dar.

Auf zur neuen Luftwaffe...
Am 5. Mai 1935 verpflichtete sich Unterwachtmeister Berberich für viereinhalb Jahre bei der Wehrmacht, vertreten durch die Fliegergruppe Erfurt, dies "unter voller Anrechnung der Polizeidienstzeit".

Am 7. Juli 1940 entschloß Berberich sich für "unbegrenzte Zeit zum Dienst in der Wehrmacht und zu allen Dienstleistungen auf Grund der jeweils gültigen Gesetze, Verordnungen, Dienstvorschriften und Bestimmungen". Zu diesem Zeitpunkt war Egon Berberich bereits Oberfeldwebel und er bewarb sich für die Offizierslaufbahn. Er durchlief den Kriegsoffizierlehrgang in Neuhausen-Trausitten (Februar bis April 1940) und wurde, nach erfolgreichem Lehrgang, Reserveoffizier. In einem Schreiben vom 15. Januar 1942 teilte ihm das Luftwaffenpersonalamt mit, dass er "nach Kriegsende bei Weitervorliegen der [] festgelegten Voraussetzungen zu den Truppenoffizieren übergeführt" würde.

Übersicht - Kindheit, Abitur und Polizeidienst

Geburtsort, Abitur und Polizeidienst

Geburtsort, Abitur und Polizeidienst

Anmerkungen und Links