III. St.G. 1 - Italien / Sizilien / Malta1

Staffelwappen der III. St.G. I auf Egon Stoll-Berberichs JU 87
Mit seiner neuen Einheit - der III. St.G. 1 - wird Egon Stoll-Berberich nach Sizilien geschickt, dort ist der junge Leutnant als IA und Adjutant beim Stab eingesetzt. Nach dem Krieg wird er von etlichen Verlagen - als Autoren fungieren auch alte Kameraden - angeschrieben, um über die Erlebnissse zu berichten. So verfasst er 1954 einen ausführlichen Bericht über die Zeit auf Sizilien, welcher hier wiedergegeben wird:

Egon Stoll-Berberichs Bericht von 1954 über den Mittelmeereinsatz der III. St.G. 1

"Die III. Stuka 1 - die Gruppe, die ursprünglich für den einzigen deutschen Flugzeugträger vorgesehen war - lag im Winter 1940 - 1941 an der Kanalküste im Raum St. Inglevert in Bereitschaft. Mit einzelnen Flugzeugen wurden von der Gruppe während der im Großen und Ganzen einsatzfreien Zeit Schlechtwetterflüge in die Themsemündung zur Störung des Schiffsverkehrs durchgeführt.
Hier erreichte die Gruppe der Verlegungsbefehl zunächst nach München Riem. Dort seien neue Befehle für den endgültigen Einsatzhafen entgegenzunehmen.

Am 19.02.1941 startete zunächst das Vorkommando mit einer Staffel JU 52 nach München Riem. Dort erhielt der Vorkommandoführer von einer Abteilung der Luftflotte Süd den Befehl zum Weiterflug nach Foggia. Wo dann yon "IDA LUFT ROM" aus weiterer Verlegungsbefehl erteilt würde.

Tödlicher Zwischenfall bei der Verlegung
Infolge sehr ungünstiger Witterung im gesamten Alpenraum konnte jedoch am nächsten Tage nicht gestartet werden. Am darauffolgenden Tag erfolgte trotz gleichbleibender Schlechtwetterlage auf Anordnung des Staffelführers der JU 52 Staffel (Vorkommando) der Start zunächst nach Forli. Bereits westlich Rosenheim wurde die Sicht im Inntal so schlecht, daß 2 Maschinen im Nebel Berührung mit den Bergen bekamen und abstürzten. Außer den Besatzungen der bei-den JU 52 fanden hierbei 14 Angehörige der Gruppe den Tod. Hierunter befanden sich der Gruppenarzt, Sanitätspersonal sowie Teile der Abt. IV A.

Ein Problem kommt selten allein
Nach längerer - infolge Tankschwierigkeiten bedingter - Zwischenlandung in Forli erfolgte am Spätnachmittag der Weiterflug nach Foggia. Durch die einbrechende Dämmerung wurde der Flug, der an der Adriaküste entlang führte, durch eine Zwischenlandung in Pescara unterbrochen und erst am anderen Tag nach Foggia fortgesetzt. Hier erhielt der Vorkommandoführer von "IDA LUFT ROM" den telefonischen Befehl, als endgültigen neuen Einsatzhafen den Fliegerhorst Trapani auf Sizilien anzufliegen. Nach Zwischenlandung und eintägigem Aufenthalt wegen Schlechtwetter in Reggio erreichte das Vorkommando am 25.02.1941 den neuen Einsatzhafen Trapani, wo inzwischen auch die Gruppe mit den JU 87 eingetroffen war. Allerdings fehlten 3 JU 87, die während des Verlegungsfluges notlanden mußten. In Trapani unterstand die Gruppe dem X. Fliegerkorps, das den Befehl über alle auf Sizilien und Süditalien liegenden Verbände hatte.

Vom Kanal, via München bis Sizilien - Die Verlegung der III. St.G. 1 in Etappen

Vom Kanal, via München bis Sizilien - Die Verlegung der III. St.G. 1 in Etappen

Zur Lage - Oder warum man nach Sizilien verlegt?
An der nordafrikanischen Küste standen die unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls Rommel kämpfenden deutschen und italienischen Verbände in erbittertem Ringen gegen die mit starken Kräften angreifenden alliierten Verbände unter Mont Gommery an der zu dieser Zeit zwischen Derna und Tobruk verlaufenden Front. Der für die afrikanische Front ungenügende Nachschub machte sich bereits sehr unangenehm bemerkbar. Wohl war ein äußerst intensiver Geleitzugverkehr zwischen Neapel und der nordafrikanischen Küste vorhanden, der sicher genügend Nachschub herangeführt hätte, jedoch erlitten diese deutschen Geleitzüge, die von italienischen Zerstörerverbänden gesichert wurden, durch ununterbrochene Angriffe alliierter Luftwaffenverbände und Seestreitkräfte derartig hohe Verluste, daß eine Weiterführung des Krieges in Nordafrika ernstlich in Frage gestellt wurde. Die Angriffe der alliierten Luftwaffe wie auch die der Seestreitkräfte erfolgten damals ausschließlich von der Insel Malta aus, dem sogenannten "Igel des Mittelmeeres". Hier lag nun die Hauptaufgabe der deutschen und italienischen Verbände, einmal die Insel Malta und damit die dort stationierten alliierten Luft- und Seestreitkräfte durch laufende Angriffe zu schwächen und weitgehendst auszuschalten und zum anderen den sehr regen Nachschubverkehr nach Malta möglichst lahmzulegen. Leider war auf die ansonsten starken Luftwaffen- und Marineeinheiten der Italiener kein hundert prozentiger Verlaß, sodaß bei Ihrem Einsatz allein nie ganz voll mit Ihnen gerechnet werde konnte. So kam es beispielsweise mehrmals vor, daß ein Geleitzug unter italienischem Zerstörerschutz in Neapel auslief. Auf der Höhe von Sizilien drehten dann die Zerstörer plötzlich ab und ließen den Konvoi allein weiter fahren. Ebenso stand es mit dem Einsatz italienischer Luftwaffeneinheiten. Diese zweifellos bereits damals vorhandene Unzuverlässigkeit der Italiener war wohl einer der Hauptgründe zur Verlegung deutscher Luftwaffeneinheiten in den Mittelmeerraum.

Von Sizilien aus gegen den 'Igel des Mittelmeeres' - Malta
An Flugplätzen standen zu jener Zeit auf Sizilien zur Verfügung: Catania, Comiso, Gela, Marsala, Palermo, Salemi und Syrakus. An Verbänden waren im Februar 1941 das KG 26, 1 Italienisches Kampfgeschwader, 1 Deutsche Jagdgruppe, 1 Italienische Jagdgruppe, 1 Fernaufklärungsstaffel des X. Korps, 1 Italienische Seenotstaffel sowie 2 Gruppen des Stuka-Geschwaders 1 vorhanden, von denen jedoch die I Stuka 1 nach wenigen Tagen nach Nordafrika verlegte. Außerdem befand sich auf der Insel Pantelleria ein kleiner Notlandeplatz. Der Seenotdienst lag damals noch ausschließlich in Händen der Italiener und bestand wie bereits erwähnt aus einer Seenotstaffel, die in Palermo und Catania lag. Außerdem standen noch einige Schnellboote der Italiener zur Verfügung.

Standorte auf Sizilien

Standorte auf Sizilien

Ausrüstung
Die III. Stuka 1 war damals noch mit der JU 87 B2 ausgerüstet. Für die Einsätze über See bestand die Seenotausrüstung aus einem 2-Mann Schlauchboot. Je einer Schwimmweste, je 2 wasserdichten Gummifarbbeuteln, je einer Leuchtpistole mit 10-12 Leuchtpatronen und 4 Schachteln Schoko-Cola.

Die ersten Einsätze am 26.02.1941
La Valetta - Maltas Hafen
Bereits einen Tag nach der Landung in Trapani erhielt die Gruppe den ersten Einsatzbefehl. Angriffsziel: 2 Schiffseinheiten im Hafen von La Valetta. Start 9.30 Uhr, Beladung: Kettenführer je 1-500 kg Sprengbombe, die übrigen Maschinen je eine 250 kg und 450 kg Sprengbomben. Der Jagdschutz wurde durch eine deutsche Jagdstaffel gestellt, der die Gruppe an der Südostspitze von Sizilien aufnehmen sollte. Anflughöhe 5000 m. Nach dem Start wurde bis zum Jägertreffpunkt an der Südküste Siziliens entlang geflogen und dann direkter Kurs auf Malta genommen. Bis zum Ziel war absolute Funkstille angeordnet. Da genau gegen die Sonne geflogen werden musste (gegen 10 Uhr vormittags) war die Sicht sehr schlecht, zumal es über See sehr dunstig war. Bereits ca. 10 km vor dem Ziel wurde der Verband von englischen Jägern (Spitfire) angegriffen, die jedoch von dem eigenen Jagdschutz abgedrängt wurden. Bei Anflug des Verbandes auf den Hafen von La Valetta setzte eine für damalige Begriffe äußerst starke schwere Flak ein. Hierbei erhielt eine JU 87 einen Volltreffer und explodierte in der Luft. Das Angriffsziel, die beiden Schiffseinheiten, lagen am Quai und wurden anscheinend gerade entladen, da sehr viele Fahrzeuge dort standen. Nach Angriffsbefehl durch den Kommandeur, Herrn Htm. Mahlke, ging die Gruppe in Perlenketten zum Sturz über. Die Trefferlage war bis auf wenige Fehlwürfe sehr gut. So wurden mehrere Munitionsstapel auf dem Quai zur Explosion gebracht, eine Anzahl Fahrzeuge erhielt Volltreffer und verbrannte, zudem wurden auf den beiden Schiffen je ein Treffer auf dem Vorderdeck erzielt, wobei allerdings nur auf einem Schiff Rauchentwicklung festgestellt werden konnte. Nach dem Angriff ging der Verband sofort in eine scharfe Rechtskurve, um möglichst rasch von der jetzt aus allen Rohren schießenden leichten und mittleren Flak herauszukommen und über See zu sammeln. Trotzdem erhielten drei Maschinen schwere Treffer und fielen für längere Zeit aus. Der eigene Jagdschutz war beim Angriff mit heruntergegangen und sicherte den Verband beim Sammeln. Der Rückflug erfolgte geschlossen in 1500 m Höhe. Gelandet wurde nicht mehr in Trapani, sondern auf dem für die Gruppe festgelegten Absprunghafen Comiso im Südosten Siziliens. Auch in Zukunft war es so, dass nur der 1. Einsatz von Trapani aus erfolgte. An Verlusten hatte die Gruppe bei diesem 1. Einsatz eine JU 87 total und 3 JU 87 durch Flaktreffer schwer beschädigt.

Weiter geht's - Maltas Flugplätze
Am Nachmittag des gleichen Tages erfolgten noch zwei weitere Einsätze von Comiso aus. Ziele waren bei beiden Einsätzen Flugplatzanlagen auf Malta. Der erste Einsatz wurde auf den westlichsten der beiden damals auf Sizilien vorhandenen Plätze geflogen. Vor allem sollten die in Einzelboxen rund um den Platz gut verteilten Jagdmaschinen, sowie eine im Nordosten stehende kleine Halle, die wahrscheinlich als Feldwerft diente, eingedeckt werden. Die Ziele wurden nach vorhandenen, sehr guten Luftbildern auf die einzelnen Ketten verteilt. Um möglichst spät erkannt zu werden, flog die Gruppe zunächst in südlicher Richtung auf See hinaus und bog erst in Höhe von Malta nach Osten ab. Das Ziel wurde dadurch direkt aus der Sonne heraus angeflogen. Der Jagdschutz wurde diesmal von einer in Palermo stationierten italienischen Jagdgruppe (1 Staffel) gestellt, die den Verband bereits kurz nach dem Start südlich Comiso aufnahm. Kurz vor Malta blieb jedoch der italienische Jagdschutz zurück und kurvte über See. Die feindliche Flak erfasste den Verband anscheinend dadurch, dass er direkt aus der Sonne anflog, erst mitten über der Insel. Die auf dem Zielplatz liegenden Spitfire waren allerdings schon früher alarmiert, die jedoch den Angriff der Gruppe nicht mehr stören konnten. Durch die vorher genau festgelegten Verteilung der Ziele auf die einzelnen Ketten ging der Verband geschlossen in den Sturz über. Die Treffer lagen gut verteilt und der Brand von 3 Maschinen war einwandfrei zu sehen. Eine Anzahl weiterer Maschinen musste der Trefferlage nach zumindest schwer beschädigt sein. Nach dem Abfangen wirkte sich das Fehlen des eigenen Jagdschutzes besonders nachteilig aus, denn die vorher gestarteten Spitfire waren gerade in dieser Höhe und griffen den Verband sofort an, wobei eine JU 87 abgeschossen wurde. Erst über See stieß der italienische Jagdschutz wieder auf die Gruppe. Nach der Landung wurde auf eine Beschwerde der Gruppe hin von den Italienern zugesichert, dass sie in Zukunft den Verband auch beim Angriff decken werden. Der nächste Einsatz erfolgte auf den West-Süd-West von La Valetta gelegenen Flugplatz. Anflug und Jagdschutz waren die gleichen, wie bei dem vorhergehenden Einsatz. Da es inzwischen über See äußerst diesig geworden war, musste die Gruppe unter 3000 m fliegen. Um möglichst wenig im Bereich der Flak zu sein, flog der Verband das Ziel diesmal von Süden an, nachdem Malta in weitem Bogen westlich umflogen worden war. Die englischen Jäger befanden sich diesmal jedoch bereits in der Luft und griffen die Gruppe schon südlich der Insel an, wobei der eigene Jagdschutz den Verband aber gut deckte, sodaß ein gut angesetzter Angriff erfolgen konnte. Die genaue Trefferlage konnte diesmal nicht genau festgestellt werden, da die Gruppe nach dem Sturz sofort nach Norden in den Tiefflug überging und über See erst sammelte. Hierbei wurde eine JU 87 durch leichte Flak abgeschossen.
In den nächsten Tagen wurden noch mehrere Einsätze auf die Flugplatzanlagen geflogen, deren Wirkung besser gewesen sein musste, als die Beobachtung des eigenen Verbandes und der Aufklärung es feststellen konnten, da von feindlicher Jagdabwehr nur noch wenig zu fühlen war. Allerdings hatte der Verband täglich 1 - 2 Totalverluste bei diesen Einsätzen durch die immer noch äußerst intensive Flakabwehr. Weitere Einsätze richteten sich in der Hauptsache auf das Hafengebiet von La Valetta, dort eingelaufene Schiffe und das Torpedolager im Nordteil des Hafens. Gemessen an den zahlenmäßigen Einsätzen auf die Hafenziele waren die Erfolge recht zufriedenstellend, was durch mehrere Großbrände und größere Explosionen festzustellen war.

Geleitzug aufreiben - erfolgloser Einsatz
Anfang März erhielt die Gruppe eines morgens den Befehl, einen großen Geleitzug, bestehend aus mehreren Zerstörern, Kreuzern, 1 Flugzeugträger und einigen anderen Einheiten im Raum nordwestlich Pantelleria anzugreifen. Anscheinend versuchte der Gegner die seit 2 Tagen bestehende Schlechtwetterperiode auszunutzen und Nachschub vor allem an Flugzeugen nach Malta zu bringen.
Die Maschinen wurden für diesen Einsatz mit je einer 500 kg Sprengbombe beladen und erhielten zusätzlich an den Flächen Zusatztanks, da die genaue Position des Geleitzugs anscheinend nicht bekannt war und mit einer längeren Suche gerechnet werden musste. Der Start musste jedoch erst verschoben werden, da bei der vorhandenen geschlossenen Wolkendecke von weniger als hundert Meter Höhe und sehr schlechter Sicht ein Einsatz vorerst nicht möglich war. Erst nach 2 Stunden riß die Bewölkung über Sizilien auf und die Gruppe konnte starten. Nach Angaben der Aufklärer musste sich der Geleitzug inzwischen in Höhe von Pantelleria befinden. Die an und für sich schon für einen Stuka-Angriff völlig ungeeignete Wetterlage verschlechterte sich über See wieder zusehends. Neben einer geschlossenen Wolkendecke in ca. 1000 m war inzwischen eine weitere nur zeitweilig aufgerissene Wolkenschicht in 100 m Höhe gekommen, die an manchen Stellen bis auf die See herabhing und so eine weite Sicht unmöglich machte. Trotzdem kreuzte der Verband über See weiter und flog das gesamte Gebiet ostwärts Pantelleria nach Westen hinab.
Nach 2 Stunden wurde der Geleitzug ca. 50 km nördlich Pantelleria ausgemacht, jedoch war die Wolkendecke inzwischen weit unter 100 m. Versuchsweise wurde die untere Wolkendecke durchstoßen, um überhaupt eine Angriffsmöglichkeit zu erhalten, aber außer äußerst massiver Flak aller Kaliber war vom Geleitzug nichts zu sehen. Nachdem noch mehrere Versuche, die Schiffseinheiten in Sicht zu bekommen, misslangen und die Gruppe infolge der selbst über Land unmöglichen Sicht in Gefahr bestand, völlig auseinander gerissen zu werden, wurde der Einsatz abgebrochen und nach 3 stündigem Flug landete die Gruppe wieder in Comiso.

Dies blieb der einzige Versuch der Gruppe, im Mittelmeer einen feindlichen Geleitzug anzugreifen. Die Auswirkungen dieses Geleitzuges zeigten sich wenige Tage danach, als die Wetterlage wieder einwandfrei war und Malta wieder angeflogen werden konnte. Wieder war das Ziel des ersten Einsatzes der Hafen von La Valetta und hier vor allem die wahrscheinlich noch dort liegenden Einheiten. Bereits beim Anflug wurde der Verband von mindestens 2 Staffeln Spitfire angegriffen, denen es trotz gutem, eigenem Jagdschutz (ital.) gelang, 2 JU 87 abzuschießen. Außerdem setzte eine bisher noch nicht dagewesene Flakabwehr aller Kaliber ein, die bewiesen, dass außer Flugzeugen auch Flakgeschütze und Munition herangebracht worden waren. Während der nun folgenden Einsätze auf Malta hatte die Gruppe pro Einsatz mindestens einen Totalverlust. Durch diese Dezimierung sah sich die Führung des X. Korps veranlasst, die Gruppe aus dem Tageseinsatz herauszuziehen und die Maschinen nur noch Einzelnachteinsätze nach Malta fliegen zu lassen.

Nachteinsätze - nur einzelne Flugzeuge
Die Durchführung der Nachteinsätze, die nur mit jeweils einer Maschine durchgeführt werden konnten, waren mehr als primitiv. Eine Funkführung war nicht möglich, da das zu dieser Zeit eingebaute Funkgerät in der JU 87 nur Sprechfunkverkehr über kurze Entfernung erlaubte. Auch eine entsprechende Bodenstelle war nicht vorhanden. Für die Durchführung von Blindflug fehlten der JU 87 die erforderlichen Geräte. Der Pilot hatte als einziges ein optisches Hilfsmittel, das in einem Scheinwerfer auf dem Flugplatz Comiso bestand. Die Nachteinsätze wurden nun folgendermaßen durchgeführt: Alle Flüge wurden nun folgendermaßen durchgeführt: Alle Flüge waren nur durchführbar, wenn mindestens etwas Mondlicht vorhanden war, damit Horizont und Ziel wenigstens einigermaßen erkannt werden konnten. Die Maschinen starteten einzeln in Abständen von 5 - 10 Minuten, je nach Einsatzbefehl. Der Pilot flog nach dem Start je nach Wind etwas mehr oder weniger als 180° und hielt diesen Kurs wiederum je nach Wind 25 - 30 Minuten ein. Wenn dann die Flak schoß und die Scheinwerfer aufleuchteten, so war er über Malta. Bei richtig mondhellen Nächten war die Situation allerdings etwas günstiger, da sich dann die Konturen der Küste und der Einschnitte im Hafen ziemlich scharf abhoben, sodaß dass das befohlene Ziel (es handelte sich hierbei ausschließlich um Ziele im Hafen) ganz gut ausgemacht werden konnte. War die Maschine einmal von den Scheinwerfern erfasst, so verlor der Pilot anfangs jedes Gefühl für die Lage seiner Maschine, da er mangels vorhandener Neophangläser völlig geblendet war. Zu erwähnen ist noch, dass der Anflug grundsätzlich in mindestens 4000 m zu erfolgen hatte, während der Rückflug in Höhen von 1000 - 1500 m durchgeführt werden musste, um jeden nachts eventuell möglichen Zusammenstoß zu vermeiden. Beim Rückflug hielt der Flugzeugführer solange eine Kurs von ungefähr 360° ein (wiederum je nach Wind etwas mehr oder weniger) bis er der Scheinwerfer von Comiso erkannte. Als Landehilfe stand dort lediglich ein Scheinwerfer zur Verfügung, der die mit grün-weiß-rot brennenden Positionslichtern markierte Landebahn anstrahlte. Trotz der heutige Begriffe mehr als primitiv anmutende Einsatzart waren die Erfolge nach den häufig entstandenen Bränden und nach Feststellung der Aufklärung sehr gut, während sich die Verluste in der gesamten Einsatzzeit (ca. 8 Wochen) nur auf einen Totalverlust und einen Maschinenverlust beliefen. Der Verlust der einen Maschine trat ein, als eine JU 87 nach dem Angriff einen Flaktreffer in den Motor erhielt und der Pilot ca. 20 km vor der sizilianischen Küste infolge Ausfall des Motors mit Catania Fallschirm ausstieg. Er wurde am anderen Morgen von einem italienischen Seenotboot aufgenommen und mit einem Oberschenkelschuß in das Lazarett Cartania gebracht. Eine erhebliche Erleichterung bei den Nachteinsätzen trat ein, als im Einvernehmen mit den Aufklärern diese in genau festgelegten Zeitabständen Leuchtschirme abwarfen und so den Piloten ein genaues Anvisieren des Zieles ermöglichten. Diese Einsätze wurden später nur noch von einer Staffel durchgeführt, da in der Zwischenzeit 2 Staffeln der Gruppe zur Unterstützung der Erdtruppe im Kampf um Tobruk nach Derna verlegt hatten. Hier wurden Ziele der Festung Tobruk, insbesondere das Fort Pilastrino und Schiffsziele im Hafen und Tobruk angegriffen.

26 Stunden im Wasser - Rettung unter widrigsten Umständen
Bei der Rückverlegung der beiden Staffeln verdient ein Ereignis besondere Erwähnung. Die beiden Staffeln befanden sich im Rückflug von Derna nach Sizilien. Über Catania Mittelmeer zwischen Malta und der Insel Pantelleria setzte der Motor von Leutnant Nordmann (der spätere Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub und Geschwaderkommodore) aus und die Besatzung ging auf Catania Mittelmeer nieder. Nach der Landung wurden sofort die Luft- und Marineseenoteinheiten der Italiener alarmiert, um die Besatzung zu suchen. Obwohl die Position genau angegeben wurde, blieb die Suche bis zum Einbruch der Dunkelheit erfolglos. Ein von Pantelleria auslaufendes Boot hatte ebenso wenig Erfolg. Am nächsten Tag wurde die Suche mit allen zur Verfügung stehenden Flugzeugen und Booten fortgesetzt, obwohl ein sehr starker Seegang herrschte und die italienische Luftwaffe bekannt gab, dass ein wassern der Flugzeuge bei Catania herrschenden Seegang unmöglich sei und, falls die Besatzung noch gefunden werde, diese durch Boote aufgenommen werden müsse. Trotz aller Versuche blieb jedoch die Besatzung verschollen. Am anderen Tag landete eine italienisches Passagierflugzeug und brachte Leutnant Nordmann mit seinem Bordschützen. Was war geschehen? Nach über 26 Stunden Treiben im Mittelmeer, währenddessen die Seenotflugzeuge mehrmals in Sichtweite der beiden gekommen waren, ohne sie zu sehen, flog ein großes Passagierflugzeug der italienischen Zivilluftfahrt in der Nähe von Norden kommend vorbei. Leutnant Nordmann verschoß seine letzten noch 2 vorhandenen Leuchtpatronen und wurde gesehen. Trotz des starken Seegangs und der Tatsache, dass der Pilot 16 Passagiere beiderlei Geschlechts an Bord hatte, setzte er ohne weiteres zur Wasserung an und brachte die Maschine unmittelbar neben den beiden deutschen Fliegern, von denen der Bordschütze bereits seit Stunden bewusstlos war, zum Stehen. Er nahm sie auf und flog seine Strecke weiter nach Tripolis zurück, wo die beiden dann am nächsten Tag von der planmäßigen Maschine mitgenommen und in Trapani abgesetzt wurden. Beide flogen kurze Zeit später wieder im Einsatz mit.

Ab in den Osten - Russland
Die Gruppe verlegte dann wenige Tage später nach Argos zur Unterstützung der Erdtruppe beim Einsatz um Kreta, während das Vorkommando bereits nach Suwalki für den Einsatz im Osten in Marsch gesetzt wurde."




Anmerkungen und Links
1. siehe auch Beitrag in Flugzeug Classic 01/18, "Malta - Flug in die Flak-Hölle" (Insgesamt 7 bebilderte Seiten)
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